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Wissen ist gut, aber nicht
alles: Benimm ist in! Von Renate Weiss M.A.
Stil und gepflegte Umgangsformen
sind wieder gefragt. Statt aufgesetzter Etikette geht es
darum, das richtige Gespür für die Besonderheit von
Situationen und Anlässen zu entwickeln. Wer die Regeln
kennt, kommt im Beruf und privat besser an und kann es
vermeiden, in eines der zahlreichen Fettnäpfchen zu
treten, die überall lauern, wo Menschen aufeinander
treffen.
Erinnern Sie sich an den Kino-Hit „Pretty Woman“ mit
Julia Roberts und Richard Gere? In einer Szene befinden
sich Julia Roberts, ein Mädchen von der Straße, und
Richard Gere, ein erfolgreicher Geschäftsmann, zusammen
mit einem wichtigen älteren Geschäftspartner in einem
gehobenen Restaurant. Julia Roberts versuchte sich in
einem nachmittäglichen Schnell-Kurs die aktuellen Regeln
der stilvollen Tischkultur anzueignen. Und zu ihrem
Schreck landete am Abend eine Vorspeise auf ihrem Teller,
von der sie nicht wusste, mit welchem Besteckteil sie den
Leckerbissen essen sollte. Der ältere Geschäftspartner
bemerkt diese Unsicherheit und unterbricht die laufende
Verhandlung mit den Worten: „Ich weiß nicht, wie es Ihnen
geht, aber ich habe mir nie merken können, was davon zu
welchem Gang gehört“, nimmt den Happen einfach in die Hand
und bewahrt Julia Roberts somit vor einer Blamage.
Weniger Formen, mehr
Taktgefühl
Mit „steifer Etikette“ und rigiden äußerlichen
Verhaltensregeln haben Knigge-Regeln schon lange nichts
mehr zu tun. Sicherheit und Stil im Umgang mit Kunden,
Geschäftspartnern und Kollegen sind Teil der sozialen
Kompetenz und gehören somit zu den beruflichen
Schlüsselqualifikationen. Und über allen Benimm-Tipps
steht der Grundsatz: Weniger Formen, mehr Taktgefühl.
Das Interesse am stilechten Umgang in Benimm-Fragen hat
in den letzten Jahren stark zugenommen. Produkte und
Leistungen werden immer ähnlicher und kommen somit in die
Gefahr der Kopierbarkeit durch Mitbewerber. Nicht
kopierbar sind aber die Menschen, mit denen wir umgehen.
Sicher stimmen Sie mir zu: Im allgemeinen haben wir es
einfach lieber mit höflichen und freundlichen Menschen zu
tun.
Gute Umgangsformen zeigen, dass man mit anderen
Menschen und auch mit sich selbst achtungsvoll umgeht. Sie
werden vor allem dann extrem wichtig, wenn es zu
Meinungsverschiedenheiten oder Konflikten kommt. Mit einer
Basis an Höflichkeit und Freundlichkeit lassen sich diese
viel leichter aus der Welt schaffen.
Stilvolles Verhalten
richtet sich nach folgenden Fragen:
- Wo bin ich? (zu Hause, bei Freunden oder
Bekannten, in der Firma, in einer formellen Gesellschaft
...)
- Mit wem habe ich es zu tun? (mit einer Dame,
einem Herrn, einem jüngeren oder älteren Menschen, mit
einem Vorgesetzten ...)
- Was will ich erreichen, wie ist meine
Zielsetzung? (Wenn Sie bei einer Einladung oder
Veranstaltung wichtige Kontakte knüpfen wollen, ist das
in Ordnung; wenn Sie das Ziel haben, bei einem Empfang
lediglich etwas Gutes zu essen und zu trinken, ist das
genauso legitim.)
Beim legeren Abendessen im „Bistro ums Eck“ sind
einfach andere Verhaltensmaßstäbe angelegt, als in einem
Drei-Sterne-Restaurant. Was bei letzterem angemessen ist,
wirkt vielleicht im Bistro übertrieben.
Doch was genau sind „gute Umgangsformen“? Folgende
Aspekte sollten Sie bedenken, um Ihr Unternehmen und sich
selbst in allen Situationen sicher, stilvoll und gelassen
zu repräsentieren:
1. Die Macht des
ersten Augenblicks
Die erste Begegnung mit einem Menschen entscheidet
häufig darüber, ob sich eine erfolgreiche
Geschäftsbeziehung oder freundschaftliche private
Verbindung entwickelt. Dieses erste Zusammentreffen löst
eine Vielzahl von Reaktionen in uns und unserem Gegenüber
aus. Wir versuchen instinktiv, die Person in uns bekannte
Kategorien einzuordnen und registrieren zuerst die
Aspekte, die nach unseren eigenen Erfahrungen wichtig
sind. Der erste Eindruck ist also immer subjektiv, denn
unsere Sinne sind daran beteiligt. Wir nehmen über unseren
persönlichen Filter die verschiedensten Aspekte wahr und
fügen aus vielen kleinen Mosaiksteinchen ein Bild
zusammen. Beim fertigen Bild werden immer wieder Teile
ergänzt oder ausgetauscht und allmählich entwickelt sich
daraus ein „Image“. Die Umrisse des Bildes werden jedoch
entscheidend vom ersten Eindruck geprägt.
2. Ein wichtiges
Ritual: Das Grüßen und Begrüßt werden
Das Grüßen ist sozusagen die kleine Schwester des
Begrüßens: Fehlt unter Freunden oder Bekannten die Zeit
oder Gelegenheit, jemanden mit Handschlag zu begrüßen,
kann ein Gruß auch nur aus einem Kopfnicken oder Winken
bestehen. Besonders positiv wirkt ein Gruß im Zusammenhang
mit dem Namen der betreffenden Person: „Guten Tag, Frau
Müller!“
Doch wer wird nun zuerst bekannt gemacht oder stellt
sich selbst zuerst vor? Und wer reicht wem zuerst die
Hand? Im Privaten achten Sie bei der Reihenfolge auf Alter
und Geschlecht und im Beruf unabhängig von beidem auf die
Hierarchiestufe.
Bei der Selbstvorstellung und dem Begrüßen neigen wir
im allgemeinen dazu, unserem Gegenüber sofort die Hand
hinzustrecken. Doch das Handreichen (oder auch nicht) ist
die Entscheidung der ranghöheren Person!
Machen Sie zwei Personen miteinander bekannt, wirkt es
sehr angenehm, wenn Sie Zusatzinformationen geben oder
Gemeinsamkeiten zwischen den beiden finden. So fällt der
Gesprächseinstieg um so leichter.
3. Moderne
Tischkultur – Umgangsformen à la carte
Geschäftsessen, sei es als Einladung in ein Restaurant
oder zum Chef, Kunden oder Geschäftspartner nach Hause,
gehören in Firmen und Institutionen immer häufiger zur
Tagesordnung. Wussten Sie, dass potentielle Bewerber für
eine repräsentative Position in einem Unternehmen oder
einer großen Organisation - oftmals mit Partner - zu
so genannten „Testessen“ eingeladen werden? Dabei kommt es
neben der beruflichen Qualifikation besonders auf
Tischsitten und Umgangsformen an: Werden die Grundregeln
der Tischmanieren beachtet? Wie geht die Kandidatin/der
Kandidat mit dem Personal um?
Vielleicht geht es Ihnen wie mir: Für mich gehört zu
den schönsten Dingen, die es gibt, ein hervorragendes Menü
mit passenden Getränken zu genießen und es sich so richtig
gut gehen zu lassen. Doch, wie mit den vielen
Besteckteilen und Gläsern umgehen, wohin mit der
Serviette, wenn man den Tisch kurz verlässt? Und, wie um
alles in der Welt geht man mit Austern und Hummer um? Wie
verhalten sich Gast und Gastgeber besonders stilvoll?
Mit Kenntnissen rund um die Tischkultur können Sie ganz
gelassen einen guten Eindruck hinterlassen und ihre Firma
besonders stilvoll (re-)präsentieren.
4. Eine alte
Weisheit: Kleider machen Leute – Das optimale
Business-Outfit
Haben Sie sich schon einmal gefragt, weshalb manche
Menschen eine besonders gute Ausstrahlung haben und andere
grundsätzlich blass erscheinen, welche Kleidungstücke zu
einer optimalen Basisgarderobe gehören und welche davon
Sie besonders bevorzugen sollten?
Gut gekleidet zu sein, und damit (!) kompetent zu
wirken, ist keine Frage des Geldes. Passen Farbe, Schnitt
und Material der persönlichen Garderobe, fühlt man sich
gut und wirkt auch entsprechend positiv auf andere
Menschen.
Ob es Ihnen selbst wichtig erscheint oder nicht: Ihre
Garderobe erzählt den anderen viel über Sie selbst. Die zu
Ihnen und zum Anlass passenden Kleidungsstücke können Ihnen
helfen, sich am Arbeitsplatz selbstbewusst und gelassen zu
behaupten.
5. Smalltalk –
Das kleine Gespräch mit der großen Wirkung
Wenn wir bei beruflichen und privaten Anlässen auf
fremde Menschen treffen entsteht manchmal ein mulmiges
Gefühl im Bauch und wir fragen uns: Wie wirke ich auf
andere, gerade heute, in diesem Augenblick? Was sage ich
nur? Ich kann doch nicht mit dem Wetter anfangen ...
Ein gelungener Smalltalk, ein kleines Gespräch zur
Begrüßung oder zwischendurch, kann Wunder wirken. Die
Situation entspannt sich und weitere Gespräche und
Verhandlungen können in einer lockeren Atmosphäre
stattfinden. Und bei konsequenter Pflege der Kontakte
entsteht ein Netzwerk, das allen Beteiligten von Vorteil
ist. Wer die Kunst des kleinen Gesprächs beherrscht,
eröffnet sich beruflich und privat neue Chancen.
Wissen ist
nicht alles
Höflichkeit und Taktgefühl erleichtern die
Kommunikation und drücken Achtung und Wertschätzung aus.
Wer die aktuellen Knigge-Regeln kennt und anwendet,
vermeidet Unsicherheiten und kann sich ganz gelassen auf
das Wesentliche konzentrieren. Im Zusammenspiel mit
anderen Menschen gilt: Kompetent ist, wer kompetent
ankommt.
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7 Tipps für einen starken Auftritt
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- Stärken Sie Ihr Selbstbewusstsein und
entwickeln Sie Ihren persönlichen Stil!
- Beschäftigen Sie sich mit den Signalen der
Körpersprache und Sie werden andere Menschen
besser verstehen!
- Achten Sie auf Ihre Kleidung, denn diese
macht einen Großteil Ihres ersten Eindrucks aus!
- Zeigen Sie vor allem bei Konflikten
Höflichkeit und Stil!
- Machen Sie sich mit den Regeln der „Modernen
Tischkultur“ vertraut!
- Stellen Sie Fragen (wer fragt, der führt)
und üben Sie sich in der Kunst des Smalltalks!
- Lernen Sie, aktiv zuzuhören und schaffen Sie
damit eine gute Gesprächsatmosphäre!
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Zur Autorin:
Renate Weiss M.A. (29) ist Trainerin und
Stilberaterin im Team von LORENZ-SEMINARE Personality- &
Competence-Training, München.
Kontakt:
info@lorenz-seminare.de

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